Befreit die Rennradfahrer*innen und lasst sie endlich auf die Straße

Check-In - Eine Kolumne über Ausdauer-Sport - Folge 03

Samstag 21.02.2021, 15 Grad. Ganz Berlin ist an diesem Tag trotz Corona-Pandemie draußen. Auch wir haben unsere Rennräder entstaubt und sind zu unserer ersten Outdoor-Runde des Jahres aufgebrochen. Unsere Standard-Runde geht die Sonnenallee hinunter Richtung Baumschulenweg und dann ab auf die Ostkrone. Dort waren alle unterwegs: Spaziergehende, Laufende, Skateende, E-Bikes, Roller, normale Radler*innen und jede Menge Rennräder.

An vielen Stellen waren wir gezwungen unsere Geschwindigkeit dem hohen „Verkehrsaufkommen“ anzupassen. Natürlich waren viele auch mit der hohen Geschwindigkeit, die man mit dem Rennrad erreicht, überfordert. Dabei drängte sich für mich die Frage auf, ob Rennräder wirklich auf gemischte Rad-/Fußwege gehören?

Auch wenn ich damit den Zorn vieler Autofahrer*innen auf mich ziehe, denke ich, dass man mit dem Rennrad immer auf der Straße fahren sollte. Denn wir sind mit unseren Rennrädern für alle anderen Verkehrsteilnehmer*innen ein viel zu hohes Risiko auf gemischten Rad-/Fußwegen.

Dazu kommt, dass wir Rennradfahrende, genau wie die Autos, das Ziel haben schnell von A nach B zu kommen. Damit sind wir in unserem Verhalten, zügig geradeaus zu fahren, viel näher dem der Autos als sonstigen Sonntagsausflüglern auf dem Fußweg. Hier ist meist nicht der Weg das Ziel, sondern man schaut links, entdeckt etwas rechts und ist eher ruhig unterwegs.

In Österreich beispielsweise ist das Rennradfahren für Trainingsfahrten grundsätzlich auf der Straße erlaubt, auch wenn es eine sogenannte Radfahranlage gibt. Damit folgt man in unserem Nachbarland genau meiner oben genannten Argumentation. Rennrad fahren ist eben nicht normales Fahrrad fahren.

Wer schon mal mit einer Rennradgruppe und 35+ km/h unterwegs war, wird auch ganz schnell merken, dass deutsche Radwege in 99% aller Fälle zum Rennradfahren untauglich sind. Entweder ist der Zustand schlecht, der Radweg zu eng, oder – auch immer wieder gerne erlebt – ist der Radweg baulich mit so scharfen Kurven ausgestattet, dass man komplett runterbremsen muss, damit man den einen oder anderen Baum oder Bushalt umfahren kann.

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Aus meiner Sicht als Rennradfahrer sollten wir auch nicht zu viel Aufwand dafür investieren, die Strecken weiter zu begradigen oder glatter zu machen. Laut Fahrrad-Monitor von 2019 sind 8% der im Einsatz befindlichen Räder Sporträder. Unser Anteil an der Gesamt-Radfahrerschaft ist also nicht mal 10%. Und für 90% aller Radfahrenden ist es sicher wichtiger, dass es überhaupt erstmal sichere Wege gibt, ob mit oder ohne Kurve ist dabei völlig egal.

Wir Rennradfahrende sollten eher dafür sorgen, dass wir als vollwertige Verkehrsteilnehmer*innen auf der Straße wahrgenommen werden. Denn die Infrastruktur für unseren Sport und unsere Geschwindigkeiten ist meist schon vorhanden – ca. 5m neben dem Weg, der uns vorgeschrieben wird. Ein klein bisschen hat der Gesetzgeber diese Denkweise auch schon anerkannt. So ist es großen Gruppen erlaubt auf der Straße zu fahren, neuerdings sogar zu zweit nebeneinander. Blöd nur, dass wir wegen Corona gerade nur max. zu zweit unterwegs sein dürfen.

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